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Radioaktivitätswerte Tschernobyl

March 18th, 2011 1 comment

Ich hatte ja schon vor längerer Zeit hier mal zwei Bücher zum Tschernobyl Unfall vorgestellt. Das Eine von Igor Kostin, der sich als RIA Fotograf durch seine Dokumentation verdient gemacht hat. Das Andere von Chernousenko, der der wissenschaftliche Leiter der Aufräumaktion da war. Außerdem gab es noch einen höchst interessanten Dokumentarfilm aus der BBC Horizon Reihe: “Inside the Sarcophargus“.

Um die jetzigen Geschehnisse in Japan in Relation zu setzten könnten folgende Liste von Nutzen sein. Die Werte widersprechen sich stellenweise, das ist bekannt und muss entsprechend interpretiert werden. Viele alte Einheiten werden angegeben und müssten entsprechend umgerechnet werden (Röntgen = R; Curie = Ci; xEy = x * 10 ^ y). Die Wikipedia ist da ein guter Einstiegspunkt, ebenso Wolfram Alpha.

Aus “Radioaktivität, Röntgenstrahlung und Gesundheit” (Informationsheft):

  • Evakuiertes Gebiet um Tschernobyl ~1000 km²
  • Typische jährliche gasförmige und flüssige Freisetzung eines großen modernen Druckwasserreaktors in DE:
    • Edelgasisotope: 9.75E11 Bq/Jahr
    • 14C: 5,14E11 Bq/Jahr
    • Tritium(gas): 3.85E11 Bq/Jahr
    • Tritium(flüssig): 2.37E13 Bq/Jahr
  • Mittlere Effektivdosis pro Jahr bei Arbeitern in AKWs
    • 1975-79: 4.1 mSv
    • 90-84: 3.6 mSv
    • 85-89: 2.5 mSv
    • 90-94: 1.4 mSv
  • Zusätzliche Effektive Dosis im Jahr in 50km Umkreis um AKW
    • 5 µSv bei Siedewasserreaktor
    • 10 µSv bei Druckwasserreaktor
  • Im Jahr 1986 hatte Winterweizen im Raum München eine 137Cs Konzentration von 100Bq/kg
  • Windscale Unfall
    • Insgesamt 750 TBq 131Iod freigesetzt
  • Three Mile Island
    • 50% des Inventars Cäsium freigesetzt (nicht in Umwelt?)
    • 40% des Inventars Iod freigesetzt (kaum in Umwelt?)
    • Geschätzt 550 GBq aktives Iod freigesetzt
  • Tschernobyl
    • Sprengkraft der Explosion: 30-40t TNT
    • 30-40% des aktiven Iod/Cäsiums Inventars freigesetzt
    • Täglich 1E16 Bq 131Iod und 1E15 Bq 137Cs freigesetzt
    • 30000 km² Land mit mehr als 185 kBq/m² kontaminiert
    • 115k Personen evakuiert
    • 210k Personen später umgesiedelt
    • In Skandinavien stellenweise bis 120 kBq/m² 137Cs gemessen
    • Südlich Donau Bayerischen Wald zwischen 10 bis 50 kBq/m² 137Cs
    • 150 zum Zeitpunkt in AKW beschäftigte Personen
    • 240k Personen zum aufräumen eingesetzt (Liquidatoren)
    • Insgesamt 600k Personen an Aufräumarbeiten beteiligt (bis 1990)
    • 5M Personen nicht evakuiert, weil damals als nicht notwendig erachtet
    • Anlagenarbeiter und Ersthelfer einige Gray bis 16 Gray Dosen
    • 28 stark Verstrahlte innerhalb von 4 Monaten gestorben
    • Dosen der Liquitadoren bis 500 mGy, Durchschnitt 100 mGy
    • Dosen der Bevölkerung (Ukraine?) wenige mSv bis einige 100 mSv, Durchschnitt 10-20mSv; von 1986-2005
    • Für Liquidatoren festgestellt: Exposition mit 150 mGy = 2*Leukämierisiko

Aus “Insight from the Inside”:

  • Radioaktiv belastetes Gebiet 100k km²
  • Kosten umgerechnet $14mrd (9.2mrd Rubel) zw. 1986-1989, bis 1995 weitere 33mrd Rubel geschätzt
  • 4 Mai 1986 in Burakova (in 10km Zone) 10 bis 20 R/h
  • Auf den Dächern des Kraftwerks 1000 R/h (vor Räumung des “Mülls”)
  • Checkpoint am (Eingang?) des Kraftwerks 26.-27. April 1986: 200-400 R/h
  • 80% des Inventars an Radioaktivität entwichen = 6,4E9 Ci
  • 16 bis 27 fache des Auslegungsstörfalls (schon von Kernschmelze ausgegangen)
  • Geschätzt 3000t Blei in den Reaktor geworfen
  • Region Gomel und Mogliev: >40Ci/km² 137Cs
  • Region Brest und Minsk: 137Cs 15Ci/km² Herbst 1988
    • Weniger belastete Regionen 5 Ci/km² (Grodno Region), 1 Ci/km² (Vitebsk)
    • 310k Menschen leben in Regionen mit > 5Ci/km²
    • 1-3 Ci/km² 90Sr
  • Plutonium in der Luft (vor Unfall 2 bis 5E-8 Bq/m³)
    • 5E-4 Bq/m³ in Mozyr
    • 2E-4 Bq/m³ in Gomel
    • 9E-5 Bq/m³ in Brest
    • 1E-5 Bq/m³ in Minsk
  • 90Sr Konzentration in Brunnen in Narovlya 1.1E-9 Ci/L(normal 1,2-8E-11 Ci/L); 137Cs in Brunnen in Khoiniki 6.1E-9 Ci/L (normal 1E-10)
  • Von 5000 Kindern in Narodichi hatten die Schilddrüsen folgende Dosen aktives Iod
    • 1473 mit 0-30rad
    • 1177 mit 30-75rad
    • 826 mit 75-200rad
    • 574 mit 200-500rad
    • 467 mit 500-2500rad
  • 10 Mai 1986 verseuchte Gebiete
    • 1100 km² mit 20mR/h
    • 3000 km² mit 5mR/h
    • 8000 km² mit 2mR/h
  • 1990 verseuchte Gebiete
    • 3200 km² mit 40 Ci/km² oder mehr
    • 7500 km² mit 15-40 Ci/km²
    • 14000 km² mit 5-15 Ci/km²
    • 76100 km² mit 1-5 Ci/km²
    • 800000 Menschen leben in Gebieten mit >5 Ci/km²
    • 3,07mio Menschen in Gebieten mit 1-5 Ci/km²
  • 144k Hektar Landbaufläche stillgelegt
  • 116k Menschen aus 30km Zone evakuiert
  • 650k -1M Liquidatoren eingesetzt
  • 5000-7000 bis 1990 an unmittelbaren Folgen gestorben
  • 50k Invalide bis 1990 die an Aufräumarbeiten teilgenommen haben
  • Tolya Kurguz Nachtschichtarbeiter während der Explosion mit Dosis 12 Gy und ernsthaften Strahlenverbrennungen in Klinik 6 Moskau gestorben am 12 Mai 1986
  • V. Smagin ebenfalls bei Explosion anwesend 2.7 Gy (wenigstens bis 1990 überlebt?)
  • Weitere Dosen für Arbeiter bei Explosion
    • Sasha Makhayev 3 Grad Strahlenkranlheit 5-6 Gy
    • Yura Tregub 2 Grad SK 4 Gy
    • V. Aleksandrovich 2 Grad SK
    • Orlov 2 Grad SK
    • A. Uskov 2 Grad SK
  • Kontrollstäbe einfahrbar in 18-20 Sekunden bei RBMK1000
  • Nahe dem Abfalllager für feste und flüssige Stoffe 60 R/h
  • In der ehemaligen Cafeteria 50 R/h
  • Manche Orte direkt im/am AKW 50-80; 150-180 R/h
  • Offiziell festgesetzte Maximaldosis für Aufräumarbeiter 25 R
  • Auf Dach von Block 3 1000 bis 4000 rem/h
  • Für Biorobots 20 rem Maximaldosis festgesetzt
  • Um Block 4 500 R/h; Dach Block 3 800-1000 R/h
  • Auf diesen Dächern 150 Tonnen Schutt
  • Zugang zum Dach 100 R/h

Keine Gewähr auf Richtigkeit. Tabelle wird fortgesetzt.

Probleme mit der Halbwertszeit

February 7th, 2010 No comments

Glaube hatte das schon mal gefeatured. Aber jetzt gibt es nochmal eine nähere Beleuchtung durch den DLF.

Technetium

Das Problem besteht darin, das es auf der ganzen Welt nur 5 Forschungsreaktoren gibt die 99mTc für die Medizin herstellen können und die Dinger schon so an die 50 Jahre alt sind. Ein weiteres Problem ist, dass frisch hergestelltes Material eine Halbwertszeit von 6 Stunden hat und das es in Europa wohl nur 2 Unternehmen gibt die 99mTc aus bestrahltem Rohmaterial extrahieren können.

Wenn da ein Reaktor ausfällt gibt es natürlich Engpässe. Das ist wohl gerade der Fall.

Den Beitrag gibt’s zum Nachhören unter: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/1115610/

Temperaturabhängiger Radioaktiver Zerfall

November 6th, 2009 No comments

Kann noch nichts dazu sagen, weil ich es gerade lese, aber das Paper ist passend zu einer Diskussion die wir letztens hatten. Es scheint aber keinen Zusammenhang zu geben zwischen Temperatur und Zerfallsgeschwindigkeit.

http://www.technologyreview.com/blog/arxiv/24307/

http://arxiv.org/abs/0910.4338

Endlager

July 11th, 2009 No comments

Bin durch eine ZDF Doku auf die interessante “Idee” der Finnen gestoßen (Teil 1 ca. 5:00). Die Idee ist es den Müll in massive Kupferröhren ein zu schweißen und diese dann so in einem alten Bergwerk zu lagern das man sie jederzeit (mit etwas Aufwand) wieder rausholen kann. Die Begründung der ganzen Geschichte kann man hier nachlesen. Die Hauptgründe sind wohl zum einen das man, falls irgendwas schief läuft, das Zeug wieder irgendwo anders einlager kann und zum anderen das zukünftige Generationen vielleicht noch was damit anfangen können.

Bei der ganzen Endlagerdiskussion in Deutschland habe ich noch nie was davon gehört das Lager von Anfang an so zu planen das man den Müll zurückholen kann.

Insight from the Inside

March 1st, 2009 No comments

insight_insideZu der Tschernobyl Thematik zu der ich schon eine Filmempfehlung losgeworden bin hier noch eine Buchempfehlung. Als ich zu der Thematik in der SLUB gestöbert habe bin ich auf ein herausragendes Buch gestoßen “Chernobyl. Insight from the Inside”.

Der Autor (Vladimir Mikhailovich Chernousenko) hat Theoretische Atomphysik studiert und war lange Zeit Leiter eines Institutes für nichtlineare Physik und Ökologie. Nach der Katastrophe 1986 (April) wurde er von der Ukrainischen Regierung zum wissenschaftlichen Leiter der Task Force zum “bereinigen des Unfalls” berufen. Er gehörte zu den nur 3 Personen die bis Januar 1987 ständig in der inneren 10 km Sperrzone gearbeitet haben. Alle anderen von den über 300’000 wurden, mehr oder weniger genau, im 15 Tagen Zyklus ausgewechselt. (Bild mit freundlicher Genehmigung von Springer)

Das Buch besteht aus mehreren Interviews, vielen Erklärungen und einigen Studien. Beindruckende/Beängstige Bilder illustrieren die Zustände die in der unmittelbaren Katastrophenzone herrschten. Die “Einsichten aus dem Inneren” die der Titel verspricht sind ebenso erschütternd wie faszinierend. Da sind zum Beispiel die Handbücher zum Reaktor, die erst nach der Katastrophe mit Warnhinweisen versehen wurden. Oder das totale Versagen sämtlicher Messgeräte an den ersten Tagen nach dem GAU auf Grund der zu hohen Radioaktivität. Chernousenko prangert das Prinzip “Erde drüber und Vergessen” an und warnt vor den Langzeitfolgen die von der Regierung mehr oder minder ignoriert wurden.

Das Buch ist leider nur noch gebraucht zu kaufen, hier einige Links:

rad_bayern2Als gute Zusatzliteratur zum Thema erweisten sich die zwei kostenlosen (!) Heftchen des Bayrischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit: