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Dresden, Samstag – mal anders

February 14th, 2010 Leave a comment Go to comments

Hi,

nachdem ich ne ganze Weile überlegt und mich Gesetzestexten alla KunstUrhG (Artikel 22/23 und da im Besonderen Absatz 1 Punkt 3) beschäftigt habe bin ich dann doch mit meiner Kamera etwas unsicheren Fußes in die Neustadt gegangen. Als ich am Albertplatz ankam war da von meinem Eindruck her eher Volksfeststimmung als Blockadedemo. Es gab Tee, Suppe und Brot, es lief Musik, ab und an eine kurze Rede die nur gelegentlich von Polizeidurchsagen, das dies keine genehmigte Versammlung sei, in fast freundlichem Ton unterbrochen wurde. Die Polizei stand passiv am Rand des Albertplatzes – Deeskalationsstrategie in Aktion. Zur Bischofsstraße bin ich nicht durchgekommen, da hatte die Polizei die Straße gesperrt. Also hab ich mich per Telefon erkundigt wies im Hechtviertel und am Alaunpark aussieht. Es haben ein paar Mülltonnen gebrannt. Ob das Links oder Rechtsautonome waren lässt sich ja heute kaum noch ausmachen – sehen ja irgendwie alle gleich aus . . . Im Hechtviertel muss es schlimmer gewesen sein – da ist es auch laut Medienberichten zu offenen Konfrontation gekommen. Hier mal zwei der etwas kürzeren Artikel:

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/niederlage-fuer-die-rechten/

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-02/dresden-aufmarsch-neonazis

Insgesamt gab es wohl so ca 2-3 dutzend Demos, welche alle möglichen Routen des JLO-Marsch blockiert haben. In der Neustadt wurde die Sache mit der Menschenkette auf der anderen Seite der Elbe ja eher kritisch gesehen – ich persönlich fands super. Dadurch konnte man auch in sicherer Entfernung zu möglichen Krawallen etwas tun und in der Weltöffentlichkeit werden die Bilder der Menschenkette zusammen mit der Info über die erfolgreiche Blockade sicher größeres Bewusstsein schaffen als dies ohne die Bilder der Fall gewesen wäre (und die negativen Bilder einzelner Auschreitungenn rücken in den Hintergrund). So haben ziviler Ungehorsam (Blockade) und Symbolgeste (Menschenkette) ein gemeinsames Ziel verwirklicht . . .

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  1. February 14th, 2010 at 19:55 | #1

    Naja, wenn du dir mal die Berichte in Tagesschau und Co. anschaust wirst du wohl merken was dir da in deiner Wahrnehmung entgangen ist. Die Menschenkette nämlich war friedlich und eine Festung gegen Intoleranz, auf der anderen Elbseite waren die Extremisten, die Chaoten, da brannten die Container und prügelten sich die Autonomen. Der Erfolg und die Friedfertigkeit der Blockaden, die du schön als Volksfest beschreibst fällt dabei regelrecht unter den Tisch :(

    Ich finde die selektive Wahrnehmung der Medien ehrlich zum kotzen, Menschenkette = gut, Blockaden = böse. Ja es gab auch ein paar brennende Tonnen, aber wenn pubertierende Antifas auf pubertierende Nazis treffen besteht nunmal ein gewisses Brandrisiko, das lässt sich aber nicht reduzieren indem man verallgemeinert.

    Die Behauptung das die Menschenkette ein schöner sicherer Ort abseits des Krawallrisikos sei wäre aber, wenn es so wäre, ein ziemliches Armutszeugnis für unsere viel gepriesene Zivilcourage. Freiheit, Toleranz unsere ganzen hoch gelobten Werte müssen immer wieder, neben einer kritischen Betrachtung, verteidigt werden und das, schafft man nicht mit Symbolen allein. Wichtig sind eigentlich nicht Tage wie der 13. Februar sondern sind die Kleinigkeiten im Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus im Alltag. Und wenn man sich schon nicht im Schutz von 8000 Polizisten traut eine Nazidemo zu blockieren und einem dann noch eingeredet wird das es so gut und sicher war, wie soll man denn dann noch Menschen dazu bringen im Alltag einzuschreiten wenn ein “Ausländer” von Nazis aus der Bahn gepöbelt wird.

    Das was die Medien gestern so gezeigt haben macht mich echt wütend, denn es beleidigt jeden einzelnen der gestern bei den Blockaden war. Die Menschenkette hat sicher ihre Berechtigung als Symbol aber 10 Stunden in der Kälte ausgeharrt und den Naziaufmarsch verhindert hat sie nicht und deshalb sollte die Wertigkeit in den Medien anders herum sein, oder glaubst du das auch nur ein Nazi seine Ideologie abstreift weil sich da ein paar Leute an den Händen halten? Durch die Blockaden bekommen die Nazis wenigstens zu spüren das sie unerwünscht sind.

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